6. Januar

6. Januar

Was mit Weihnachten begann – mit den geweihten Nächten – schließt mit diesem Tage ab. Die Raunächte, wie sie genannt werden, sind nun vorüber und der Übergang in das neue Jahr scheint jetzt vollzogen. Hierin finden sich Altes und Neues, fröhliches Feiern und ebenso stilles Innehalten. Auch Vergängliches und Ewiges findet statt. Selbst Materielles und dazu gegensätzlich Spirituelles ist darin enthalten. Alte Überlieferungen geben Hinweis darauf, dass sich alle Handlungen und Ideen innerhalb dieser Zeitspanne wie ein Orakel auf das kommende Jahr auswirken können…

Ein Mysterium?

Die Raunächte. Sind sie ein Mysterium? Von der Wintersonnenwende, über Weihnachten und Silvester bis zum Dreikönigstag seien die Raunächte geheimnisvoll und urtümlich. Manch eine Sage umspannt diese Zeit. In jedem Fall ist dies eine selige Zwischenzeit. Jene zwölf heiligen Nächte dienen zum Aussteigen aus der Zeit. Auch Schwellenzeit genannt, ist diese Phase doch von zarter Gestalt. So gibt sie Raum zum Nachsinnen, Wahrnehmen, still werden und sich empfänglicher machen mit fein justierten Antennen. Die Sinne verfeinern, dem Wesentlichen lauschen und dadurch einen Zwischenraum erschaffen. Diesen gütigen Zwischenraum sanft für sich selbst ausdehnen.

Innehalten

In alten Zeiten nutzten Menschen viel ihrer Achtsamkeit darin sich mit der Natur zu verbinden. Sie pflegten ihre Beziehung zur Natur, zu den dort geborgenen Kräften und dem nicht Sichtbaren. So ist das Innehalten zwischen den Jahren ein willkommenes feierliches Ritual, um aus der Hetze und der Sinnlosigkeit ausscheren zu können. Endlich wieder ein Gespür zu entwickeln für das, was uns wirklich ausmacht. Dieses Innehalten beherbergt eine Erinnerung und eine Sehnsucht. Die Sehnsucht wieder eine Verbindung herzustellen mit tieferen Wirklichkeiten. Die Erinnerung, daß eine tiefere Bedeutung unseres Seins darin besteht, in diesem Leben zu leuchten. Licht zu sein.

Brauch oder Religion

Religionen kommen und gehen – dieser Tag bleibt. Die Wintersonnenwende ist eine feste Größe im Getümmel der Gezeiten. An diesem Tage kehrt das Licht zurück und die Sterne verkünden es. Hierin ist eine Konstante. Dieser Tag führt die Schwellenzeit an umweht von einer geheimnisvollen Aura. Eine exakte kalendarische Zuordnung ist bis heute umstritten. Jedoch sind sie existent, die Raunächte zwischen der Wintersonnenwende und dem 6. Januar. Unzählige Bräuche, die der Abwehr und Vertreibung böser Geister dienten, umfassten heilige Räucherrituale und klärende Reinigungszeremonien. Ihre Anwendung war daher selbstverständlich, um sich zu schützen und sich sicher den verfeinerten Sinneswahrnehmungen hingeben zu können. Ein uralter Brauch als Schutz.

Losnächte

Es heißt, während der Raunächte gebe es viele Möglichkeiten, welche einer Zukunftsvorhersage dienlich seien. Das klingt recht abergläubisch. Doch wird auf die verfeinerten Sinne und die stille Achtsamkeit zur Natur mit ihren Kräften geblickt, scheint dies wirklicher denn je. Und je achtsamer ich bin in meiner Wahrnehmung während ich durch die Natur meiner Wege gehe, desto mehr kann ich meinen Eindrücken Kraft verleihen. Diese Kraft kann sich wie ein Los in das Gestalten meiner Zukunft einfädeln. Sie kann ihre Wirkung entfalten und meinen Wünschen zur Entfaltung und Erfüllung dienen. Ein Los könnte sich während der Losnächte durch meine wachen Sinne als ein zukünftiges Ereignis manifestieren. Diese wunderbare Gelegenheit bietet sich genau dann, wenn die Schleier zwischen den Welten sehr fein gewebt sind und das Tempo des Alltags sich gnädigst verlangsamt. Wenn auch dann jener ruhiger wird, der sonst so sehr beschäftigt ist, um endlich auch sein Los davon los-gelöst einzulösen!